Tagesarchiv für den 17. März 2009

Digitale Fotografie und das Internet

Fotos gehören zu den sehr privaten Gegenständen in einem Haushalt. Die Aufnahmen von der letzten Reise, einem Tagesausflug oder einfach Schnappschüsse wurden bislang nur engen Freunden gezeigt, die ohnehin regen Anteil am eigenen Leben nehmen. Durch die digitale Fotografie erleben Fotos nun jedoch einen Wandel.Digitalaufnahmen werden häufig auf dem Computer gespeichert, nur wenige Bilder werden am Ende entwickelt oder in Form eines Fotobuchs aufbewahrt. Das ermöglicht die Verwendung der Fotos im Internet, wo sie in Foren, Blogs oder Kontaktanzeigen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gerade private Blogs, auf denen der Inhaber oft täglich über einige Aspekte seines Lebens spricht, werden durch eine Fotogalerie komplettiert. Dabei scheuen viele Menschen sich nicht, auch Aufnahmen von sich selbst hochzuladen. Da der Zugang zu den Blogs nicht reglementiert ist und wirklich jeder Besucher alle Seiten betrachten kann, wird das Privatleben so offen zur Schau gestellt. Auch Fremde können die Fotos betrachten, auf denen die Haustiere, Familienmitglieder und zum Teil sogar die Kinder der Blogger abgebildet sind.

Das Foto ist längst nicht mehr ein privates Erinnerungsbild, das in einem stillen Moment zur Hand genommen wird. Vielmehr wird es in der Zeit der Digitalfotografie zu einem wichtigen Werkzeug der Selbstdarstellung und dient nicht selten auch der Kontaktaufnahme. So sind Singlebörsen im Internet ohne Bilder kaum denkbar. Die Digitalfotografie unterstützt somit ganz erheblich das zweite Leben im Internet, das für viele Menschen zu einer echten Zuflucht geworden ist. Das weltweite Netzwerk verbindet Menschen, die sich im realen Leben nie begegnet wären, hier entstehen Freundschaften und nicht selten auch Liebe. Anders als im Alltag können die Internetnutzer bestimmen, welche Seiten sie den anderen Menschen preisgeben wollen und welche verborgen bleiben sollen, indem sie die passenden Bilder auswählen. Analoge Fotos könnten diesen neuen Ansprüchen, die aus der Verbreitung des Internets entstanden sind, nicht gerecht werden.

17. März 2009